Inhalte aufrufen

Rückruf Z900 - Federbeinaufnahme - weitere Infos


Tutorial Information

  • Hinzugefügt am: 18.01.2011, 20:03
  • Aktualisiert: 05.12.2011, 16:55
  • Ansichten: 4074
 


* * * * *
6 Bewertungen

Zündschlossverkleidung selbst gebaut...

Dieses Tutorial beschreibt die Fertigung eines Verkleidungsteil.

Geschrieben von goOse am18.01.2011, 20:03
... wobei Zündschlossverkleidung auch nicht grade die richtige Bezeichnung wäre. Vielmehr
geht es mir um den Zwischenraum - eben zwischen der Tachoverkleidung und der Gabelbrücke,
halt da wo das Zündschloss ist. Wie dem auch sei, es soll hier um einen kleinen Umbau von
mir gehen...


Hintergrund hierfür ist, das ich zum einen die Ganganzeige und eine USB-Steckdose irgendwie -
aber dennoch formschön unterbringen will/wollte.

Fall sich einer fragt, wozu ich eine USB-Steckdose am Bike brauche.. Nunja, dass ist
eigentlich einfach erklärt. Quasi jedes Gerät, was man am Bike betreiben möchte
(zB Navi, Handy, MP3Player oder wayne,... (Mopedbatterie laden geht natürlich nicht)) hat
heutzutage einen USB Stecker als Ladekabel. Also wieso extra einen Zigarettenanzünder
anbauen, in den man dann wieder einen USB Adapter rein stecken muss?

Dann lieber gleich USB und fertig.

Naja, auf jedenfall hatte ich nun eine USB Steckdose und eine Ganganzeige die unter gebracht
werden musste. Da ich keinen wirklich guten Platz finden konnte, verzurrte ich beides zusammen
mit Kabelbindern in den besagten Zwischenraum. Aber das war weder schön noch stabiel.
Alles ein wenig wackelig und unschon... Aber seht selbst:


Eingefügtes Bild


Zusätzlich erschwerend kommt noch dazu, dass mein LED-Standlichumbau auch fertig ist
und dieser auch noch Schalter braucht um die einzelnen Leisten anzusteuern. Somit
brauche ich nochmal zusätzlich Platz für zwei Schalter....

Nunja, wie auch immer brauche ich formschönen und praktischen Platz. Da fiel mir dieser
Zwischenraum ein. Dieser musste gefüllt werden.

Ich hatte lange hin und her überlegt, wie und aus was ich diesen baue...
  • Plexiglas/Acrylglas? Ne, nicht schön genug zu bearbeiten, nicht stabiel genug und anschließend blöde zu lackieren
  • GFK? War zunächst mein Favorit, aber nach einige Tests mit diesem mir neuen Material, war es doch viel zu viel geschmiere damit.
  • Stahlblech? Würde ein Schweißgerät erfordern, welches ich zum einen nicht habe und auch keine Erfahrung mit habe.
  • Messingblech? Billig, leicht zu verarbeiten, aber sau weich...(weich=scheisse)
OK, dann wohl Messing, da es die geringsten Probleme gibt. Hart bekomme ich das schon...

Also fing die Fertigung an....:

 

1. Schnittmaske erstellen
Ich brauchte eine Vorlage um den späteren Blechzuschnitt herstellen zu können:

Dazu nahm ich zunächst Bastelpappe: (ich brauchte einen guten Kontrast zu den schwarzen Plastikteilen,
daher rot - Alternativ hatte ich noch Rosé, aber um dem Spott aus dem Weg zu gehen, nahm ich rot^^)

Eingefügtes Bild

und Schnitt mittels viel Geduld und ausprobieren eine möglichst passene Form zurecht,
welche den Zwischenraum möglichst perfekt ausfüllt. Nach 40min sah das dann so aus:

Eingefügtes Bild


 

2. Zuschnitt der Grundplatte
Die zuvor angepasste Pappvorlage, zeichnete ich die Umrisse der Pappe auf ein Messningblech
(400x200 mm Gesamtgrundfläche). Hierfür verwendete ich eine 0,8 mm starke Platte
(zu beziehen zB über Conrad 12,95€/stk). Warum 0,8 mm? Kein wirklicher Grund. 0,8 mm
habe ich nur öfter Verwendung für :D

Das Ganze sägte ich mit einer "Laubsäge" aus. Das ist immer so ein Moment an dem ich mich
daran erinnere, das ich mir ne Dekupiersäge kaufen wollte^^

Eingefügtes Bild


Soweit sogut... Aber zum Problem mit Messing. Alles was man so aus Messing kaufen kann,
ist kalt gewalzt worden oder Gegossen und dann sehr massiv. Grund hierfür ist die extrem
leichte verformbarkeit von Messning wenn es geglüht und danach erkaltet ist. Und genau
das muss man tun, wenn man mit Messing etwas fertigt und hartlöten muss. Beim Hartlöten
muss das gesamte Teil auf gut 700° erhitzt werden - kühlt wieder ab und ist so weich wie Butter
auf Malle...

Mit diesem Hintergrund und dem bestreben, das ganze Formstabiel zu bekommen, müssen
zusätzliche Verstärkungen eingebaut werden.

Zu diesem Zweck, hatte ich noch 50 cm Messingstange bestellt (500x7x2mm). Diese Stange
habe ich erstmal zum Glühen gebracht und anschließend im glühenden Zustand abgelöscht.
Dadurch wurde es Butterweich und lies sich für meine Zwecke gut in Form biegen.

Also habe ich einen zweiteiligen Rahmen mit verschiedenen Zangen und starken Daumen
nachgebogen. Das ganze natürlich schön deckungsgleichmit den Außenkanten, damit der
Rahmen nicht später unter der Platte hervor steht.


Eingefügtes Bild

(Falls sich einer fragt, warum ich da an den Enden rechts und links Lücken habe, könnte
ich nun erzählen, dass es Lücken für spätere Kabel sind - in wirklichkeit hatte ich aufgrund
der Pappform einen Umfang von 49,3 cm errechnet. Da sollte also die 50 cm Stange reichen.
Am Ende waren es jedoch 51,6 cm... also musste lücken stehen bleiben :D )

 

3. Rahmen auflöten
Das Messingblech sieht wohl im unbearbeiteten Zustand ganz schick aus, aber Gold an einer
rein schwarzen Zett? Nee^^^ Wenn die Amatur mal fertig ist, soll sie gesandstrahl und schwarz
gepulvert werden und zwar in der RAL Farbe, welche dem Schwarz der Tachoverkleidung nahe
kommt.

Eigentlich hatte ich vor, das ganze mit normalen Lötzinn zusammen zu schmieren, aber leider
sagte mir ein netter Herr einer Pulverbeschichtungsfirma, das das Pulver bei rund 200°C
gebrannt wird. Also fiel Lötzinn schonmal flach. Also Hartöten.

Das Ganze geht dann leider nur mit 645'er Silber L1 Lot (Schmelzpunkt ca. 720°, bekommt
man bei Scheideanstalten, Bastelbedarf oder netten Goldschmieden). Damit das Lot nicht
schon beim erhitzen korridiert, muss natürlich reichlich Flussmittel dran, welches beim erhitzen
erstmal aufschäumt und trocknet, aber dann im gewünschten Temperaturbereich flüssig wird
und die zu belötenden Stellen vollständig benetzt und somit das Lot vom Sauerstoff abschirmt.
Das ganze sieht dan in etwa so aus (Chronologisch gezeigt)

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild


(Auf Bild 2 sieht man das Lot und das schon aufgeschäumte Flussmittel in einer Nahaufnahme.
Zudem ist das ganze mittels Bindedraht und Lötpinzetten fixiert, da sich das kalt gewalzte
Messingblech, beim erhitzen entspannt und sich massiv verformen wird....)

Dann gibt man richtig Gas und bring das gesamte Werkstück auf seine Arbeitstemperatur...

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild

Nach dem erkalten, sieht es leider nicht mehr sooo schön aus. Die Reste des Flussmittels
und auch die verfärbungen durch die Hitze, sind deutlich zu erkennen...

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild

Um dies wieder zu beseitigen, habe ich dem Teil ein entspannendes Bad in ~60° warmer
Schwefelsäure spendiert. Das ganze ca. 10 min. Dann sieht es in etwa so aus und wir
können weiter machen.

Da sich das ganze Werkstück unter der Hitze des hartötens stark verformt hat, muss es nun
mit einem Hammer und ein paar Punzen wieder etwas gerichtet werden, so das alles wieder
Plan aufliegt. Danach noch ein wenig Schmirgeln und die Kanten brechen.

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild

Danach ist es Zeit für die erste Anprobe an der Tachoverkleidung:


Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild


Passt wackelt und hat Luft, also ab in die Garage und mal am Bike schauen...

Eingefügtes Bild


 


4. Deckelplatte fertigen
Ich schrieb ja bereits, dass ich das Design der Tachoverkleidung weiter führen wollte.
Daher musste ich ein wenig mehr Höhe in die Grundplatte bekommen. Zudem sollten die
Schalter nicht plump oben drauf sitzen sondern sich gut ins Gesamtbild einfügen. Am besten,
sie wären auf fast der selben Höhe wie die Deckelplatte selbst (abschliedend).

Zu diesem Zweck habe ich als nächstes nochmals die Grundplatte abgerissen und wieder
mal ausgesägt... Anschließend mit einem Anreißzirkel einen 1,8 mm (so breit ist er im Original)
Rand angezeichnet, welcher danach abgesägt werden musste:

Eingefügtes Bild

(langsam kann ich Sägearbeiten nicht mehr sehen, da meine Säge etwas zu kurz ist für
so große (lange) Werkstücke. Dies hat zur Folge, dass man x-mal neu ansätzen muss
um überhall hin zu kommen.. echt nervig ;) )

Danach halt kleinere Anpassarbeiten, damit der Rand auch überall schön gleichmäßig
im Verlauf war. Das Ergebnis sah erstmal so aus:

Eingefügtes Bild


Dann musste natürlich die ganzen Löcher und öffnungen in die Abdeckplatte für meine
Schalter und die Ganganzeige. Die Löcher für die Schalter habe ich bewusst 3 mm größer
gemacht, damit später die Schalter versenkt sind und zusätzlich zum Desgin des Randes,
auch ein Rand um die Shalter stehen bleibt. Hingegen die Aussparung für die Ganganzeige
habe ich insgesamt statt 30x20, 26x16 gemacht, damit ich die Anzeige von Hinten anbringen
kann, ohne das sie nach Vorne heraus ragt/fällt.

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild


Nun noch die öffnung für die Ganganzeige in die Grundplatte gesägt. Nun aber genau
30x20, so wie die Maße der Anzeige auch sind. Vorteil an dem Ganzen ist, dass ich sie von
Hinten befestigen kann und sie zum einen von dem kleinen Rand fixiert wird und zum
anderen immer 100% richtig nach vorne sitzt und zu sehen ist.

Eingefügtes Bild

Den nächsten Schritt habe ich nicht fotografiert - aber im Grunde habe ich mit viel schweiß
die Deckelplatte auf die Grundplatte gelötet. Wichtig war mir, dass diese sehr sauber und
gerade aufliegt und auch das Lot möglichst sauber unter der gesamten Fläche verläuft.
Dazu habe ich zum einen mehrfach Lot im heißen Zustand an den Stellen angelegt, wo
später noch die öffungen in der Grundplatte für die Schalter kamen. Da es aber eigentlich
kaum möglich ist, das das Lot wirklich auch überall in den großen Flächen gleichmäßig
verläuft, habe ich an verschiedenen Stellen in der Grundplatte größere Löcher gefräst
und während des Lötes das ganze Werkstück gedreht um auch Lot von hinten anzulegen.
Wie gesagt, da ich nur 2 Hände habe und ich niemanden abstellen wollte zum Fotos
machen, gibt es halt davon keine... aber nach 20 min und einem echt tierisch heißem
Gesicht - war das auch erledigt...

Danach folgte wieder ein Bad in Schwefelsäure zum Abbeizen und anschließendes
abkratzen der Rückstände bis das Werkstück wieder einigermaßen nach Messing aussah....

Als nächstes folgten die Löcher in der Grundplatte für die Schalter...

Eingefügtes Bild

Dann die erste Anprobe mit den Schaltern für die LED Beleuchtung des Scheinwerfers.

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild

Bei den Schaltern handelt es sich um vanadalismussgeschütze Schalter von Conrad mir
beleuchteten Außenring. Dieser soll mir später im dunklen helfen die Schalter zu finden,
zum anderen soll mit mit dem Leuchtring gezeugt werden, ob meine LED Leuchten
Ein. oder Ausgeschaltet sind. Da diese nicht in Schwarz zu bekommen waren, und mir die
Form auch nicht gefallen hat, habe ich sie zerlegt und die Chromschicht abgeschliffen
als Vorbereitung zum schwarz-matten Lackieren. Hier auf den Bildern sind sie noch nicht
lackiert.

Und natürlich nochmal eines mit Beleuchtung...^^

Eingefügtes Bild


 


5. Halterbau
Nachdem nun fast alles fertig ist, fehlen noch die Halter um das ganze Konstrukt gut und
sicher am Moped zu befestigen. Ich hatte vor, die Auflage und die Schrauben der
Tachoverkleidung zu verwenden.

Da ich es noch nicht ausprobiert habe, wieviel Platz dort ist, wollte ich die Halter so
platzsparend wie nur irgend möglich machen...

Es fing wie immer mit einem Blechstreifen an, welche ich so pi x Daumen absägte und
weich glühte um es besser formen zu können:

Eingefügtes Bild


Da dieser aber in die Kurve der Tachoverkleidung rein passen musste, wölbte ich diesen
und lötete diesen wiederum auf ein anderes Stück Blech, welches später die Schraube
aufnehmen sollte.

Danach auf die Höhe des Randes abgesägt und wiederum ein anderes Blech auf das
Ende gelötet, was wiederum später auf meinem Rahmen aufliegen sollte.

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild


(An dieser Stelle hatte ich einen fiesen Denkfehler gemacht, welcher sich aber erst viel

später bemerkbar machte. Die Halter hätten kürzer sein müssen. Die gesamte Verkleidung

kam dadurch gut 1 cm tiefer wie ich wollte. Eigentlich sollte es eine Ebene mit der

Tachoverkleidung werden.)


Dann alles etwas abgerundet - schließlich arbeitet das Auge mit...^^ Das ganze dann halt
zwei mal. Die Anprobe zeigte auch, dass sie ganz gut passten:

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild


Dann wurde wieder der große Brenner gezückt und die Halter an den Rahmen angelötet.
Ich gestehe, das ich es nun so locker runter Tippe, aber es war doch recht schwierig -
Freihand die richtige Position beim Löten zu halten... Abschließend habe ich das Teil zum
reinigen und als Vorbereitung zum Pulvern gesandstrahlt. (75µ Körnung)^^

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild

<p>Und so sah dann das Endergebnis aus, welches schon selbsttragend an der Tachoverkleidung hielt...


Eingefügtes BildEingefügtes Bild


Rohbau fertig!

 




6. Beschichten der Oberfläche
Ich hatte die Verkleidung zu einer Pulverbeschichtungsfirma gebracht. Diese sollte mir
die Verkleidung schwarz-matt Pulvern. Leider hatten sie das Pulver nicht da und wollten
es bestellen. Leider zog sich der Fertigstellungstermin immer länger hin...
Bis es dann endlich fertig war - ABER leider wurde es schwarz glänzend gepulvert
statt MATT Eingefügtes Bild

Das ganze war dem Chef auch sichtlich sehr sehr peinlich und unangenehm, da er
wusste das es ein Einzelstück ist.... Dafür war es aber Kostenlos^^

Schwarz glänzend sah das aber mal so richtig schei :zensur: aus...
Also hab ich das pulverbeschichtete Teil einfach mal gesandstrahlt...
Sah super aus, war aber nun etwas gräulich und kam nicht mehr so an den Ton der
Tachoverkleidung ran... Also hab ich es kurzerhand schwarz-matt mit Acryllack
lackiert...

Aber durch *seufz* zuviele Schichten, wurde es zu glänzend. Kurzerhand wollte ich die
noch nicht 100% ausgehärteten Lackschichten Abstrahlen - aber das Sandstrahlgerät
war nur auf 2 Bar eingestellt. Dies hatte zur Folge, das der Lack nur mattiert - statt
abgestrahlt wurde. Tja und siehe da - sah nun richitg gut aus und passte sowohl von
der Oberflächenbeschaffenheit wie auch von der Farbe her, fast perfekt zur originalen
Tachoverkleidung.


Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild



Eingefügtes Bild




 



7. Fertig und eingebaut!
Ich gebe zu es war schon ein ganz schöner Akt und dauerte einige Stunden. Aber ich
bin zufrieden!



Einmal beleuchtet (noch mit der originalen Tachoscheibe):

Eingefügtes Bild



Und bei Tageslicht:

Eingefügtes Bild


Ich hoffe es gefällt allen und meine Anleitung war nicht zu ausführlich^^

lG
goOse
  • marko, Lasertom, Crankworx und 11 weitere bedanken sich